Kooperation zwischen Deutschland und Kosovo: Erleichterung bei der Anerkennung ausländischer Fachkräfte?

Eine zumindest potentiell interessante Neuentwicklung gibt es im Hinblick auf Pflegefachkräfte aus dem Ausland: Wie viele Pflegeunternehmen aus leidvoller Erfahrung wissen, leidet die Pflegebranche in Deutschland unter massivem Fachkräftemangel. Experten gehen davon aus, dass derzeit mindestens 50.000 Kräfte fehlen. Zwar hat die Bundesregierung angekündigt, die Finanzierung und Besetzung von ca. 13.000 Stellen in der stationären Altenpflege in Angriff zu nehmen; viel passiert ist seitdem allerdings nicht.

Deswegen greifen viele Pflegeunternehmen auf Pflegekräfte aus dem Ausland zurück. Insbesondere die Anerkennung der ausländischen Berufsabschlüsse ist aber oftmals schwierig, langwierig und bürokratisch. Im Juli 2019 hat jedoch die Bundesregierung im Rahmen einer Reise des Bundesgesundheitsministers Spahn in das Kosovo eine gemeinsame Erklärung mit dem kosovarischen Gesundheitsminister unterzeichnet. Demnach soll Deutschland das Kosovo beim Aufbau eines Gesundheitssystems unterstützen. Als „Gegenleistung“ erhofft man sich einen Austausch mit Fachkräften aus dem Kosovo. Die Bundesregierung hofft, dass auf diesem Weg bis zu 1.000 Pflegekräfte nach Deutschland kommen könnten.

Die Bundesregierung geht zudem davon aus, dass diese Kooperation eine Art Vorbildcharakter für die Zusammenarbeit mit anderen Ländern wie etwa die Philippinen, Brasilien oder Mexiko haben könnte. Ob es entsprechende weitere Initiativen auch im Hinblick auf andere Staaten geben soll und diese den Fachkräftemangel hierzulande effektiv lindern könnten, ist derzeit noch offen.

Grund für die nun unterzeichnete gemeinsame Erklärung dürfte auch der Umstand gewesen sein, dass die medizinische bzw. pflegerische Ausbildung im Kosovo als hochwertig und in weiten Teilen vergleichbar gilt. Bereits jetzt existieren im Kosovo Pflegeschulen deutscher Träger, die spezielle Deutschkurse für die Pflegekräfte anbieten, um einen Wechsel nach Deutschland zu erleichtern. Da in Deutschland ein deutlich höheres Lohnniveau aufweist und im Kosovo eine hohe Arbeitslosigkeit insbesondere unter Jugendlichen weit verbreitet ist, hoffen zahlreiche Schüler und Auszubildende aus dem Kosovo, später in Deutschland arbeiten zu können.

Allerdings ist die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse nach wie vor schwierig und wird als bürokratielastig wahrgenommen; außerdem nimmt das bisherige Anerkennungsverfahren viel Zeit in Anspruch. In Zukunft hofft man hier auf eine Beschleunigung und Vereinfachung des Anerkennungsverfahrens, etwa durch entsprechende Zertifizierungen von Pflegeschulen und sonstigen Agenturen, um damit eine schnellere Anerkennung der Berufsabschlüsse in Deutschland erreichen zu können.

Auch wenn die formalen Hürden derzeit hoch sind und das Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse nach wie vor quälend lange dauert, sollte sich ein Pflegeunternehmen in diesem Bereich keine Fehler erlauben, weil ansonsten schlimmstenfalls mit strafrechtlichen Risiken und der Einleitung von Ermittlungen gerechnet werden muss.

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